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Seit der Veröffentlichung des Bielefeld-Artikels heute mittag passieren hier nur noch merkwürdige Dinge auf dem Notebook:

Leute, die mir emails an die gmx- Adresse schickten, bekamen eine Fehlermeldung “unzustellbar”, da die Adresse “tester” nicht bekannt sei. Welcher Tester ???? Die mails kamen aber bei mir an! Nach einigem Hin und Her war der “Workaround”, eine Verteilerliste mit diesem Namen anzulegen – seitdem scheinen die Fehlermeldungen nicht mehr aufzutauchen… Nicht nach der Logik fragen, nach 11 Jahren im Support einer frankokanadischen Firma  kommt frau auf die sonderlichsten Lösungen und hat sich diese Frage abgewöhnt :-)

Will ich einen WordPress-Beitrag kommentieren, fliege ich ständig raus.

Und nicht nur Facebook ist äußerst obskur, Google ebenso. Plötzlich kriege ich Benachrichtigungen, die eigentlich nur an die gmx-Adresse gehen sollten, auch an die googlemail-Adresse, dafür verschluckt mir googlemail auf einmal eine email, zeigt dafür eine andere doppelt..

Dass offensichtlich nicht alle “Abonennten” automatisch über Blog-Veröffentlichungen benachrichtigt werden, sei nur am Rande erwähnt…

Es fehlt nicht mehr viel und ich werde auch noch zur Verschwörungstheoretikerin,  der zeitliche Zusammenhang ist ja schon recht seltsam  :-)  Nur gut, dass 3sat wieder rund um die Uhr Konzertmitschnitte zeigt, so ist wenigstens für Unterhaltung bei der Ursachenforschung gesorgt :-)

Vergangene Woche stand meine letzte Tat (= Schulung) für Voxco an – und sie führte mich in eine Stadt, die es eigentlich gar nicht gibt…

Dieser Ausflug sorgte schon im Vorfeld für heftige Spekulationen im Kollegen- und Bekanntenkreis. Würden wir unser Ziel je finden? Und wie kommen wir eigentlich hin?

Was die zweite Frage betrifft, habe ich lange auf den Zug als Beförderungsmittel bestanden. Schließlich wissen wir seit der genialen Wilsberg-Folge im Febuar 2012, dass es dank zahlreicher Umleitungsschilder unmöglich ist, diese Stadt per Auto zu erreichen.

Ein Blick auf die Webseite der Deutschen Bahn dagegen sagte mir, dass Züge – sogar ICE’s – in dieser Stadt halten. Eine Freundin warnte mich jedoch per mail: ” ‘es fährt ein Zug …nach Nirgendwo’ – da gab es doch auch mal was…. ” und weiter: “DAS ist nirgendwo;-) Hm – dann brauchst du eigentlich gar nicht erst los – wenn du eh nirgendwo hinwillst”. Auch ein Kollege war der Meinung, dass der Zug uns in die Irre führen würde: “Wenn ihr auf dem Bahnsteig seid und euch das Schild von der anderen Seite anschaut, werdet ihr feststellen, dass ihr eigentlich in Paderborn gelandet seid – die haben das Schild nur überklebt”.

Der mitfahrende Kollege und ich entschieden uns für das Auto.

Das plötzlich aussetzende Navi-Gerät hätte uns vielleicht ein Zeichen sein sollen… Aber frau ist ja Reiseleiterin bei Rotel und daher immer ausgerüstet mit Ausdrucken des Routenplaners (auch hier lehrt uns Wilsberg: wenn man nach Bielefeld will, NICHT Michelin als Routenplaner wählen! Deren Route führt über Nizza.., siehe ZDF Bielefeld blog).

Nach ca. 370 km – knapp 20 km vor unserem Ziel – erblickten wir tatsächlich erste Hinweise auf die Existenz dieser Stadt:

Was danach geschah, ist ominös. Das Navi funktionierte zwar wieder und wir sind auch sicher, weitere Schilder gesehen zu haben. Nur: es fehlen die Beweise! Wurden sie vernichtet, meldete mir meine Kamera vorhin doch einen “Fehler auf der Speicherkarte”, als ich die Fotos auf den Laptop ziehen wollte…?


Wir haben auch den Ortseingang passiert – dieses Bild konnte ich auf den Computer laden, aber auch hier geht seltsames vor sich: das Ortsschild ist verschwunden!

:-(

Natürlich fuhren in dieser Stadt auch Autos, sehr viele sogar (angeblich ist die Einwohnerzahl vergleichbar mit der Mannheims), sie alle hatten das Kennzeichen “BI” – aber das ist ja bekanntlich eine Fälschung, siehe de.wikipedia.org/wiki/Bielefeldverschwörung.
Es gab auch Menschen, mit denen wir kommunizierten, eine Kneipe, die dem Mannheimer Miljöö in den 1980ern entsprach (sic!), viel Rotwein, aber wo ich mich zwei Tage lang tatsächlich aufhielt, wird mir aufgrund fehlender Beweise wohl ewig ein Rätsel bleiben. :-)

Ich bin begeistert! Beim genaueren Hinschauen entpuppte sich der Lebensmittel- und Internetladen als indische Einrichtung (mit allerdings sehr internationalem Sortiment), auf meiner Suche nach “Nervennahrung” erhielt auch ich dann eine Intensiv-Beratung, die im Erwerb einer Tüte Punjabi-Mix (“gut zum Tee oder Kaffee, haben wir auch zuhause”) endete: eine eigenwillige Mischung aus Erdnüssen, chipsartigem Zeug und indischen Gewürzen, spicy aber noch angenehm. Damit läßt sich sogar die FCK-Misere im Sport-Studio ertragen…
Mein Entzücken kannte allerdings keine Grenzen, als ich heimkam, auf dem Modem nun auch die Telefon-Anzeige wieder leuchtete und der Router nicht mehr flackerte: alles funktioniert wieder! Und sogar eine SMS von Kabel BW war gekommen: man wird sich kümmern… Ich nehm alles Fluchen zurück, toller Support!

Seit gestern abend tut mein Internet nicht, heute abend fiel auch noch das Festnetz aus… Anruf bei der Hotline von Kabel BW – vom Handy (sündhaft teuer) war nicht wirklich erfolgreich, von ihrer Seite angeblich alles in Ordnung, Telefon-Termin mit einem Techniker am Dienstag (!) abend. “Vorher ist leider alles dicht” – anscheinend gibt es noch mehr Leute mehr Störungen.
Nun also “Internet Cafe” in der Neckarstadt West. Genauer ist es ein türkischer Mini-Supermarkt, der auch noch billiges Telefonieren ins Ausland anbietet und im hintersten Eck ein paar Internet-Zugänge hat.
Erstaunlich, wie hoch der Betrieb am Samstag abend nach 22 Uhr noch ist…Und der Besitzer kümmert sich rührig um seine Kunden. Eben beriet eine Dame über ein Haartönungsmittel…, jetzt schaut er gerade nach einem PC, der nicht tut, und das alles bestens gelaunt. Nur einen Kaffee hat er leider nicht… Daher wird mein Aufenthalt hier auch nicht lange ausfallen, daheim gibt’s Kaffee und einige Passagen des High-Line-Buches wollen auch noch gelesen werden…

Ich hoffe, ihr habt die Umstellung auf die Sommerzeit gut überstanden. Normalerweise geht das spurlos an mir vorbei, diesmal war ich über die “geklaute” Stunde aber nicht sonderlich amused: mir fehlen 60 Minuten zum Lesen.

Ihr erinnert euch an den High Line Park, Manhattans neuester Attraktion, im Westen des Stadtteils, von dem ich letzten Sommer geschrieben hatte? Das ist der zur Promenade umgestaltete Rest einer ehemaligen Hochbahntrasse für Güterverkehr. In etwa 8m Höhe wandert man ca. 2 km entlang der 10. Avenue, relaxed auf den Sonnenbänken oder den Stühlen.

Auch dieses letzte Teilstück der High Line sollte 1999 eigentlich schon abgerissen werden, dank einer Initiative von Anwohnern (“Friends of the High Line”) wurde es aber erhalten.

Ein tolles Video mit historischen Aufnahmen erzählt hier kurz die Enstehung der Eisenbahnlinie, deren Stillegung und schließlichen Umgestaltung zum öffentlichen Park. Nehmt euch die 4 Minuten Zeit und schaut es an!

Die schlaflose Nacht bereitete mir ein Buch der beiden Initiatoren, das mir kürzlich in die Hände kam und in dem sie detailliert die jahrelangen Bemühungen um den Erhalt der Hochbahntrasse beschreiben. Einen originellen Spot gibt es hier .

Kennengelernt hatten die beiden sich 1999 während einer öffentlichen Anwohnerveranstaltung, bei der die Zukunft der High Line diskutiert wurde. Sie saßen nebeneinander und waren die einzigen, die für den Erhalt der Eisenbahntrasse waren. Einen Plan, was aus der High Line entstehen sollte, hatten sie zunächst nicht, lediglich die Vorstellung, sie öffentlich zugänglich zu machen. Noch weniger Ahnung von Stadtplanung, Architektur oder dem – zum Teil recht komplizierten – Baurecht und sonstigen Vorschriften, wenig Kohle (sie waren unterwegs als freier Autor bzw. freier Mitarbeiter bei Startup-Firmen) und schon gar keine Ahnung, auf was sie sich da einließen…

Die einzelnen Schritte ihres Engagements schildern sie jeweils aus ihrer – durchaus unterschiedlichen Sicht. Es ist eigentlich lediglich eine chronologische Abfolge der Geschehnisse, informativ, aber für Nicht-New Yorker irgendwann etwas ermüdend, da man von Namen regelrecht erschlagen wird.
Richtig interessant wird es aber, wenn man die Geschichte mal aus einer anderen Perspektive betrachtet.Denn das eigentlich Spannende – und wenig bekannte – an diesem Projekt (und Buch) ist: lange Zeit fanden sie keinerlei Unterstützung; die Anwohner hatten nur wenig Interesse an dieser dunklen Stahlkonstruktion, die seit der Stillegung vor sich hin dümpelte und sich zum Treffpunkt Drogenabhängiger und schräger Gestalten entwickelt hatte (der Meatpacking District war in den 1980er und frühen 1990er Jahren Hochburg der Transvestitenszene). Und die Grundstücke unterhalb der Hochbahn waren längst an Geschäftsleute verkauft, für die der Abriß gar nicht schnell genug kommen konnte, spekulierten sie doch auf hohe Gewinne aus dem Weiterverkauf als Bauland – und dafür auch die Unterstützung der Stadtverwaltung unter dem damaligen Bürgermeister Giuliani hatten, der eine Abrissgenehmigung kurz vor Ende seiner Amtszeit auch noch unterschrieb.
Auch die Medien erwähnten die High Line selten, und wenn, dann war die Haltung pro-Abriss.

Wie also schafften sie es dennoch, eine breite Unterstützung zu finden und vor allem die High Line zum Thema werden zu lassen, so dass letztlich Stadtverwaltung und Geschäftsleute ihre Meinung änderten und dem Erhalt zustimmten?

Die klassische sozialwissenschaftliche Frage zum Thema Mobilisierung sozialer Bewegungen – wäre ich nicht schon längst fertig mit meinem Studium, hätte ich spätestens jetzt ein Thema für meine Diplomarbeit gefunden :-)

Die Überzeugungsarbeit und Unterstützung begann nicht bei den Anwohnern, sozusagen der “Basis”, sondern dank alter College-Kontakten bei Experten: Architekten, Stadtplanern, Mitarbeitern aus der Stadtverwaltung. Nur wohnten diese nicht im Viertel und hatten oft gar keine Ahnung von der High Line. Die Eisenbahngesellschaft, denen die Hochtrasse gehörte, zeigte sich kooperativ und so führte man einen nach dem anderen hoch auf die High Line, um sie auch emotional mit dem Thema vertraut zu machen. Dort oben hatte sich die Natur in all den Jahren ihren Platz wiedererobert, zwischen den Gleisen wucherte es wild – bald war auch ein bekannter Fotograf gefunden, der diese Industrieromantik gekonnt in Bildern festhielt.Mi
Der Unterstüzterkreis wuchs stetig, es gesellten sich im Laufe der Zeit auch Anwälte sowie Galeristen, Restaurantbesitzer und Designer dazu, die sich mit Ateliers im Meatpacking-District niedergelassen hatten.

Mit all diesem Expertenwissen machten sie die beiden Initiatoren mit den Materien Architektur, Stadtplanung, Baurecht, das Funktionieren politischer Entscheidungsprozesse vertraut und entwickelten mit ihnen Strategien für jedes weitere Vorgehen.
Andere – wie etwa die Modedesignerin Diane von Furstenburg – lieferten Unterstützung, indem sie die beiden zu Parties und Empfängen einluden und so weitere Kontaktmöglichkeiten schufen, Empfehlungen aussprachen oder später dann auch einfach ihre Räume für Veranstaltungen der “Friends of the High Line” zur Verfügung stellten.
Und in dem Maße, wie die Unterstützung wuchs, erwachte auch das Interesse der Medien…

Last but not least konnten Geldgeber gewonnen werden für z.B. diverse Studien, einen Prozess gegen die Stadt New York wegen eines Verfahrensfehlers und vor allem für Informationsmaterial und -veranstaltungen für die Anwohner im Meatpacking District und West Chelsea, so dass im Laufe der Jahre auch hier die Skepsis der Begeisterung wich.
Und dank einer äußerst seriösen Kosten-Nutzen-Studie konnten auch der neue Bürgermeister Bloomberg sowie vor allem die Geschäftsleute, die die Grundstücksrechte unter der High Line besaßen, überzeugt werden – man hatte sie klugerweise von den gleichen Experten durchführen lassen, die die Stadt zuvor auch für die Erschließung eines weiteren Gewerbegebietes engagiert hatte…

2006 wurde schließlich mit der Umwandlung der High Line in einen Park begonnen, 2009 der erste und im letzten Jahr der zweite Abschnitt eröffnet. Demnächst wird mit dem dritten und letzten Abschnitt begonnen.

Das ganze Projekt hat selbst die kühnsten Erwarungen übertroffen. Die FAZ bezeichnete die High Line in einem Artikel im Juni 2011 als “Wirtschaftsmotor”: Den Kosten von 153 Millionen Dollar für den Bau der beiden Abschnitte stehen lt. Bloomberg 2 Milliarden Dollar an privaten Investitionen gegenüber, 12.000 Arbeitsplätze wurden geschaffen. 29 größere Immobilienprojekte werden dem Stadtviertel 2500 neue Wohnungen, 1000 Hotelzimmer und große Flächen für Büros und Kunstgalerien bringen.

Der Imagegewinn ist enorm, es ist inzwischen “trendy”, eine Adresse an der High Line zu besitzen – die Immobilienpreise sind entsprechend, für eine 50 Quadratmeter-Wohnung zahlt man schon mal locker 1 Million Dollar. Auch das bekannte Whitney-Museum baut an der High Line und wird seinen Sitz von der Museumsmeile an der Upper East Side (!) hierher verlegen.

Und die beiden Initiatoren? Aus Studien über soziale Bewegungen wissen wir, dass nicht nur Themen Karriere machen, sondern bisweilen auch deren Akteure. Die beiden sind nun hauptberuflich in leitender Stellung für die “Friends of the High Line” tätig.
Na denn.

Lesende

Der Titel des Gerhard Richter-Bildes ist bezeichnend für die letzten Tage: sehr arbeitsintensiv, es hat sich gelohnt. Und Zeit für mir liebe Menschen musste auch sein, ebenso wie für diese geniale Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie. Nur das ursprünglich geplante Stasi-Museum musste ich auf den nächsten Besuch verschieben.

Leider hat mich – dank des Kontinentalklimas – die Erkältung wieder voll im Griff – wie so oft natürlich zum völlig falschen Zeitpunkt :-) Das kriege ich aber hin, schließlich habe ich noch die Riesenflasche Sinupret, die der Doc letztens verschrieben hat…. In diesem Sinne: schön, wieder im warmen Mannheim zu sein.

Gerhard Richter Ausstellung, Berlin 2012

Viertel nach 6 Uhr morgens: pünktlichst auf die Minute verläßt der ICE-Sprinter den Frankfurter Hauptbahnhof. Der Wagen, in dem ich sitze ist gerade mal halbvoll, genügend Platz sich auszubreiten. Und obwohl das Bord-Restaurant weit weg ist, kommt ein gut gelaunter Mitarbeiter in den kommenden 3 1/2 Stunden zweimal mit Kaffee vorbei – und das in der 2. Klasse.

ICE Sprinter sind reservierungspflichtig – dass auch noch im Gang neben mir ein ehemaliger Kommilitone und HiWi-Kollege sitzt, wir uns seit Jahren nicht mehr gesehen haben und das Hallo entsprechend groß war, macht die Fahrt nur noch angenehmer.

Und das Ganze gab’s dank Last-Minute-Buchung für schlappe 40 Euro. Dafür lohnt auch das Aufstehen mitten in der Nacht (musste ja noch von Mannheim nach Frankfurt).

So nett kann’s weitergehen!